Die chronische und obstruktive Bronchitis als Krankheitsbild der COPD

COPD kann eine chronische Bronchitis, ein Lungenemphysem oder beides sein

Wie ist die Definition der chronischen Bronchitis?

Unter dem Begriff COPD werden verschiedene Krankheitsbilder zusammengefasst: die chronische Bronchitis, die Atemwegseinengung und das Lungenemphysem.

Eine chronische Bronchitis ist eine Entzündung der Atemwege. Sie liegt dann vor, wenn Husten und Auswurf über wenigstens drei Monate in mindestens zwei aufeinander folgenden Jahren bestehen. [1]

Ungefähr ein Viertel bis die Hälfte aller COPD Patienten sind von einer chronischen Bronchitis betroffen. [2]

Während man früher Patienten klar mit einer chronischen Bronchitis oder einem Lungenemphysem diagnostizierte, haben neuere Studien gezeigt, dass viele Patienten von beidem betroffen sind und daher in der Mitte des Spektrums liegen. [3]

Die chronische Bronchitis als Teil der Lungenkrankheit COPD.
COPD wird häufig mit Asthma verwechselt, es handelt sich jedoch um zwei verschiedene Krankheiten. Die meisten Personen mit Asthma reagieren allergisch auf eine Substanz in der Umwelt, Personen mit COPD leiden jedoch meist nicht an Allergien. Man kann jedoch an beiden Krankheiten gleichzeitig erkranken, dies nennt man ACOS.

Daher werden Patienten mit einem Lungenemphysem und einer chronischen Bronchitis auch in den meisten Fällen ähnlich behandelt. Die Therapie hängt stärker vom Schweregrad, also dem Gold Status, und der Symptomatik als vom Krankheitsbild ab. [4]

Es lohnt sich für alle Betroffenen, die Hintergründe der chronischen Bronchitis zu verstehen. Dieser Artikel gibt detaillierte Antworten über den Ursprung, Symptome und Therapien bei chronischer Bronchitis.

Ursachen und Risikofaktoren einer chronischen Bronchitis

Neueste Untersuchungen haben gezeigt, dass chronische Bronchitis durch eine Kombination von genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen verursacht wird. [5] Es ist mittlerweile unumstritten, dass eine chronische Bronchitis durch Schadstoffe verursacht wird. Der wichtigste Schadstoff ist dabei das Rauchen. [6,7]  

Tabakrauch ist die häufigste Ursache einer chronischen Bronchitis

Neben Tabakrauch gibt es aber noch zahlreiche weitere Schadstoffe in der Luft, die unsere Atemwege und unsere Lunge belasten. Zum Beispiel hat Rauch vom Verbrennen fester Brennstoffe wie zum Beispiel Holz einen klaren Zusammenhang mit dem Entstehen einer chronischen Bronchitis. [8]

Weitere Risikofaktoren sind berufsbedingte Schadstoffe (z.B. in der Industrie), Bio-Treibstoffe, Staub und chemische Dämpfe. [9] 

 Alle Lungenpatienten sollten daher versuchen zu verhindern, sich diesen Schadstoffen zu lange auszusetzen.  

Wie aber können Schadstoffe zu einer Krankheit in der Lunge führen? Und sollte unser Körper nicht mit Abwehrmechanismen gegen Schadstoffe ausgerüstet sein?

Die Entstehung der chronischen Bronchitis

Gelangen die oben beschriebenen Schadstoffe in die Lunge, produziert der Körper in den Wänden der Atemwege, den so genannten Lumen, Schleim. Diese Produktion findet in so genannten Becherzellen statt. [10] 

Prinzipiell ist die Schleimproduktion eine gute Sache: Sie dient dazu, Schadstoffe aus der Lunge einzufangen und dann zu entfernen. Gesunde Menschen sind auf Sie angewiesen, um die Lunge sauber und gesund zu halten. 

Wenn jedoch dauerhaft zu viele Schadstoffe in die Lunge gelangen, zum Beispiel durch langjähriges Zigarettenrauchen, wird die Lunge überfordert und beginnt sich anzupassen.Dies kann dazu führen, dass zusätzliche Schleimdrüsen gebildet werden.

Mehr zum biologischen Prozess der zusätzlichen Schleimzellenbildung

Den Vorgang der zusätzlichen Zellbildung wird in der Medizin auch als Hyperplasie bezeichnet. [11] Weiterhin werden bestehende Schleimdrüsen vergrössert. Diesen Vorgang nennt man Hypertrophie. [12] 

Hyperplasie Bildung zusätzlicher Schleimdrüsen
Hypertrophie Vergrösserung bestehender Schleimdrüsen

Hypertrophie und Hyperplasie führen dazu, dass die Schleimproduktion zusätzlich erhöht wird. Die kleinen Atemwege werden dadurch durch zusätzlichen Schleim verstopft. Man spricht von Obstruktion. [13]

Durch die Entzündung und Verengung kann weniger Luft durch die Bronchie fließen

Es wird schwieriger für den Körper, diesen zusätzlichen Schleim abzutransportieren, da die kleinen Härchen (Zilien) in der Lunge durch die Schadstoffe zusätzlich verletzt werden. [14] Weiterhin können Bronchiektasen, also Aussackungen der Bronchien, enstehen. [15] 

Was sind Bronchiektasen?

Bronchiektasen sind sackförmige oder zylindrische Ausweitungen der Atemwege in den Lungen. Sie können auch durch eine eiternden bakterielle Infektion der Bronchienwand begleitet werden. Sie führen zu Husten und großvolumigem Auswurf, welcher je nachdem übel oder süßlich riechen kann. Auch Trommelschlegelfinger können auftreten.

Bronchiektasen können sowohl angeboren sein sowie auch im Laufe des Lebens entstehen. Neben der chronischen Bronchitis können Sie auch durch Alpha-1-Antitrypsin Mangel, Immunglobulinmangel, Infektionskrankheiten, Muskoviszidose oder andere Faktoren versursacht werden.

Der Körper versucht nun, diesen überflüssigen Schleim wieder aus der Lunge zu entfernen. Da die Lungenhärchen geschwächt sind, greift er auf eine andere Methode zurück: Der Husten setzt ein. Er ist jedoch leider nicht das einzige Symptom, welches durch eine chronische Bronchitis verursacht wird.

Der chronische Husten bei der Bronchitis ist der Versuch des Körpers, den überflüssigen Schleim zu entfernen.

Wie wird chronisch obstruktive Bronchitis diagnostiziert?

Die Diagnose startet normalerweise mit einer Anamnese, in welcher unter Anderem festgestellt wird, ob ein Patient geraucht hat oder Schadstoffen regelmäßig, zum Beispiel im Beruf, ausgesetzt war. Auch andere Faktoren wie die Beeinträchtigung im Alltag sind hier entscheiden. Das erste Zeichen, welches vielfach festgestellt werden kann, ist chronischer Husten.

Weitere Faktoren, welche ein Arzt häufig berücksichtigt, werden ist eine körperliche Untersuchung, zum Beispiel mit einem Stethoskop um Atemgeräusche zu hören.

Das wichtigste Element ist allerdings die Lungenfunktionsdiagnostik. Mittels einer Spirometrie kann der Grad der Obstruktion eingeschätzt werden und eine Einteilung in ein COPD Stadium ist möglich: [2]

 

Weitere diagnostische Tests sind unter allem Reversibilitätstests mit bronchienerweiternden Medikamente oder Steroiden, Blutgasanalysen oder Belastungstests. Seltener kommen auch Röntgenaufnahmen oder Computertomographie zum Einsatz. [2]

Typische Symptome einer chronischen Bronchitis mit Obstruktion

Da eine chronische Bronchitis häufig mit anderen Krankheiten einhergeht, sind die Symptome schwierig eindeutig zuzuordnen. Das klare prägende Symptom der chronischen Bronchitis ist jedoch anhaltender, starker Husten mit Auswurf. [16] 

Husten ist ein Leitsymptom bei Bronchitis
Anhaltender Husten ist das Leitsymptom bei chronischer Bronchitis

Die Verengung der Atemwege durch den zusätzlichen Schleim kann auch ein Giemen in der Atmung verursachen. Zusätzlich kann teilweise ein Knistern in der Atmung festgestellt werden. Dieses Geräusch entsteht, wenn sich die kleinen, verstopften Atemwege kurzzeitig rasch öffnen durch die durchströmende Luft. [17]

Neben Veränderungen in der Atmung, führt die Verstopfung einzelner Atemwege auch dazu, dass weniger Gas zwischen den Lungenbläschen und dem Blut ausgetauscht werden kann. Die Folge ist eine tiefe Sauerstoffstätigung (Hypoxämie) und erhöhter CO2 Gehalt im Blut (Hyperkapnie). Dies kann so weit führen, dass sich die Haut durch den erhöhten CO2 Gehalt im Blut blau färbt. Ein Pulsoximeter gibt Auskunft über den Sauerstoffgehalt im Blut.[18] 

Sauerstoff messen bei Hypoxämie
Bei Sauerstoffmangel im Blut kann ein Pulsoximeter Auskunft geben.

Da die Atemwege nun in einigen Bereichen der Lunge verstopft sind, versucht der Körper, das Blut zu einem Bereich mit weniger Verstopfungen zu leiten. Dazu verengt er Blutgefässe in den verstopften Bereichen. Dies ist einem kleinen Teil der Lunge kein Problem; geschieht es jedoch in der ganzen Lunge, erhöht sich der Blutdruck. Dieses Phänomen wird als pulmonale Hypertension bezeichnet. [19]

Ein weiteres Symptom der Verstopfung der Atemwege kann sein, dass sich Infektionen hinter den verstopfen Bereiche bilden, was wiederum andere Symptome wie Lungenentzündung hervorrufen kann. [20]

Dies Symptome sind keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen: COPD Patienten mit einer chronischen Bronchitis haben mehr und schwerere Exazerbationen und müssen daher auch häufiger in ein Krankenhaus eingeliefert werden. [21] Es gibt jedoch effiziente Therapien, um die Symptome einer chronischen Bronchitis zu kontrollieren und zu reduzieren.

Welche Medikamente und Therapien helfen wirklich bei der chronischen Bronchitis?

Traditionell werden in der Behandlung von chronischer Bronchitis verschiedene Medikamente eingesetzt. Weit verbreitet ist die Anwendung schleimlösender Medikamente, obwohl die Beweise für deren Wirksamkeit umstritten sind. [22] 

Bronchodilatatoren, zum Beispiel Beta-2-Antagonisten können bei einer chronischen Bronchitis den Schleimauswurf unterstützen, da sie die Atemwege verbreitern, die Funktion der Lungenhaare unterstützen und den Schleim flüssiger machen. [23]

Bronchodilatatoren gehören zu den häufigsten Medikamenten bei chronischer Bronchitis

Auch Glutocorticoide wie Budesonid, umgangsprachlich häufig als ein Cortison bezeichnet, haben einen positiven Effekt für die Behandlung. [24] 

Bei einem bakteriellen Infekt, welcher teilweise durch eine Verfärbung oder Anhäufung des Sputums angezeigt wird, sind Antibiotika wirksam. [25] 

Das neuere Medikament Roflumilast, welches Entzündungen reduziert, hat ebenfalls ein gute Wirkung bei chronischer Bronchitis gezeigt. [26] Die genaue Kombination von Medikamenten hängt von Patient zu Patient ab.

 Lasse dich auf jeden Fall durch einen Arzt beraten, bevor du neue Medikamente nimmst oder ein bestehendes Rezept anpassen oder absetzen willst.  

Die Medizin hört aber nicht mit Medikamenten auf: Veränderungen im Lebenswandel und viel Bewegung werden heute von Lungenärzten als mindestens so wichtig wie eine medikamentöse Therapie betrachtet.

Die non-pharmakologische Therapie 

Führende Leitlinien betonen heutzutage die Rauchentwöhnung als die effizienteste Maßnahme im Kampf gegen chronische Bronchitis. Die Symptome nehmen ab und die Lebensqualität wird rasch erhöht. Zusätzlich wird die Lebenserwartung in den meisten Fällen drastisch verlängert. [25, 27] 

Aufhören zu Rauchen hilft bei COPD
Mit dem Rauchen aufzuhören ist die effektivste Methode um COPD zu verlangsamen.

Verglichen mit anderen Therapien, inklusive bronchienerweiternde Medikamente, führt auch eine pneumonale Rehabilitation zu einer signifikanteren Verbesserung der Atemlosigkeit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. [28]

 

Daher wird pneumonale Rehabiliation heutzutage in jeder ärztlichen Leitlinie sowohl national wie auch international zur Behandlung von chronischer Bronchitis und COPD allgemein empfohlen.

In der pneumonalen Rehabilitation lernst du nicht nur effiziente Techniken um mit dem Rauchen aufzuhören, sondern auch die richtigen Entspannungs- und Atemtechniken um mit einer chronischen Bronchitis besser umgehen zu können und effektive Hustentechniken um Schleim effizient abzuhusten.

Eine gute Hilfestellung zur Einübung von Atem-, Entspannungs- und Bewegungsübung bietet auch die App Kaia Breathe. Sie zeigt dir täglich die besten Übungen um COPD wirksam selbst zu Hause zu behandeln. Die App kann hier kostenlos für 7 Tage getestet werden.

Quellen und wissenschaftliche Studien

1: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23204254

2: https://www.atemwegsliga.de/copd.html?file=tl_files/eigene-dateien/copd/COPD...&file=tl_files/eigene-dateien/copd/COPD-Leitlinie.pdf

3: http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/40483/1/WHO_TRS_213.pdf

4: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2944278/

5: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25241909

6: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4373868/

7: https://bmcpulmmed.biomedcentral.com/articles/10.1186/1471-2466-11-36

8: http://thorax.bmj.com/content/65/3/221.short

9: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4373868/

10: http://www.resmedjournal.com/article/S0954-6111(15)30001-9/fulltext

11: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26424214

12: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24979509

13: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15215480

14: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7881648

15: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26251586

16: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25741880

17: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26673917

18: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8087135

19: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16554918

20: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9259079

21: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21474571

22: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD001287.pub5/full

23: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4951627

24: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12570112

25: http://www.atsjournals.org/doi/abs/10.1164/rccm.201204-0596PP

26: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20381629

27: https://www.aafp.org/afp/2010/0915/p655.html

28: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMct0804632

29: https://www.aafp.org/afp/2010/0915/p655.html

Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen

Befreit Durchatmen! 

Steigere deine Lebensqualität und lade jetzt die Kaia COPD-App herunter.